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Portraitfotografie: Konterfei oder Portrait?

Was ist ein Portrait? Ein reines Abbild oder mehr?

In der Portrait Fotografie geht es natürlich um das Abbild eines Gesichtes. Doch geht es allein darum? Seit der Mensch sich mit der künstlerischen Darstellung seiner Umwelt beschäftigt, beschäftigt er sich auch damit, die menschliche Figur darzustellen. Die Malerei, die sich aus den künstlerischen Anfängen entwickelte, beschäftigte sich beinahe in allen Kulturen ebenfalls mit der Abbildung des menschlichen Gesichtes oder der menschlichen Figur. Jahrhunderte und Jahrtausende vergingen und aus den einfachen Darstellungen entwickelten sich anspruchsvollere Darstellungen des menschlichen Gesichts. Ein Gedanke, der vielleicht hinter dieser Entwicklung steckt, ist der Wunsch des Menschen, dass man sich seiner erinnern möge, wenn er nicht mehr ist. Vielleicht reicht es dazu aus, zu zeigen, wie der Mensch ausgesehen hat. Viele Bilder sind seit Anbeginn der Zeit entstanden, die genau das zeigen.
Ein weiterer Gedanke, der den Portrait-Begriff erweitert ist der, nicht nur zu zeigen, wie der Mensch aussah, sondern wie er im Leben ist oder war. Wie kann das gelingen? Wie kann man ein Bild erzeugen, dass einen Wesenzug eines Menschen zeigt? An dieser Stelle kommt das Wort ins Spiel, welches oft in diesem Zusammenhang gebraucht wird: der Ausdruck. Was bedeutet dieses Wort für mich? Ich denke, dass der Ausdruck etwas ist, dass im inneren eines Menschen steckt und sich durch Mimik und Gestik einen Weg nach außen bahnt. Also ist der Ausdruck das Abbild einer Emotion oder einer Charaktereigenschaft im Gesicht oder Körper eines Menschen. Wie erreicht man es, eine Emotion, eine Charaktereigenschaft abzubilden?

Hierzu ein kleiner Ausflug in meine Vergangenheit. Als ich mich dafür zu interessieren begann, künstlerisch tätig zu werden tat ich das zeichnend. Ich zeichnete Dinge aus meiner Umgebung, Gläser, Steine und irgendwann auch mein eigenes Spiegelbild. Über die Qualität der Darstellung verliere ich an dieser Stelle kein Wort, es sei nur soviel gesagt: ich begann Unterricht im Zeichnen zu nehmen. Zuerst besuchte ich mehrere Zeichnkurse an der Volkshochschule der Stadt Remscheid. Mein erster Zeichnlehrer war der Remscheider Künstler Paul Kipp. Bei ihm lernte ich eine Technik des Zeichnens und eine Technik, mich auszudrücken und Zeichnungen Ausdruck zu verleihen. Nachdem ich alle Kurse, die im Zeichnen angeboten wurden besucht hatte, enstand eine Leere. Diese füllte ich mit Zeichenunterricht bei Karl Armbrust, der ebenfalls aus Remscheid stammte. Er hatte an der Kunstakademie Düsseldorf studiert und auch bei ihm lernte ich den Menschen und seinen Ausdruck zu zeichnen. Im grossen und ganzen war ein Anfang gemacht, doch von meinem eigentlichen Ziel, nämlich einer ausdruksvollen, photorealistischen Darstellung war ich immer noch sehr weit entfernt.

Die Technik zu verbessern lernte ich bei Günther Gruhlke. Der Remscheider Grafiker Günther Gruhlke hatte eine kleine aber feine Zeichenschule in Remscheid, die ich über Jahre hinweg besuchte. Ihm verdanke ich letztendlich meine Aufnahme an der BUGH Wuppertal, Fachbereich Kommunikationsdesign, damals noch am Haspel in Wuppertal, heute leider nicht mehr dort. An der Uni angekommen, lernte ich neue Techniken der Zeichnung, der Malerei und auch der Fotografie. Die photorealistische Darstellung von Menschen interessierte mich immer noch so sehr, dass ich mir die Frage zu stellen begann, warum ich überhaupt noch zeichnete und malte. Die Konsequenz dieses Gedankens war eine weitreichende Beschäftigung mit der Photographie. So folgten Studien bei Wolfgang Vollmer, Prof. Marc Izikowitz und Prof. Charles Compère. Das bei all meinen Lehrern gelernte bildete den Grundstock und es ist meine Geschichte, die in jedes Bild mit einfliesst, welches ich mache. Und diese ist noch immer eine Geschichte, die sich weiter entwickelt.

Zurück zu dem Gedanken, wie es einem Photographen gelingen kann, eine Emotion oder eine Charaktereigenschaft abzubilden. Dies kann nur dann gelingen, wenn der zu portraitiernede dazu “verführt” werden kann, etwas von sich selbst preiszugeben. Ein Portrait ist demnach nicht nur ein Abbild des Menschen, der darauf zu sehen ist, sondern das Ergebnis einer Interaktion zwischen Photograph und Model. Je größer das psychologische Geschick des Photographen ist, desto offener gestaltet er die Portrait-Sitzung und desto offener wird sich unter Umständen das Model zeigen.

Ich könnte nun noch vieles schreiben. Es gibt unendlich viele Aspekte, die ich noch erwähnen müsste, so z.B. Brennweite, Bildformat, Abstand zwischen Photograph und Model, Lichtsetzung, Schärfentiefe usw. Aber das werde ich an einer anderen Stelle tun.  An dieser Stelle zeige ich Ihnen nur ein Bild.

 

 

Ein Portrait aus meinem Photostudio in Remscheid